(Quelle: taz/deutschlandfunk)

Literaturnobelpreis

„Für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“, bekommt die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch (67) in diesem Jahr den Literaturnobelpreis. Das gab die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekannt. Alexijewitsch ist erst die 14. Frau, die die Auszeichnung gewinnt, die als wichtigster Literaturpreis der Welt gilt. (...)

 

Swetlana Alexijewitsch: Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft

"Als der Reaktorblock explodierte, sind die Menschen auf die Balkone hinausgetreten mit ihren Kindern und haben das Feuer bewundert", erzählt Swetlana Alexijewitsch. "Am Himmel war ein einzigartiges himbeerfarbenes Leuchten zu sehen. Später mußten die Soldaten die Menschen mit Gewalt aus ihren Häusern schleppen. Die Sonne schien, die Blumen begannen schon zu blühen - und sie sollten evakuiert werden! Sie warfen sich vor den Soldaten auf die Knie, flehten sie an. Es waren Bauern, sie lebten völlig patriarchalisch. Viele erzählten mir, daß sie vor dem Unglück unmittelbar an den Wänden des Reaktors Pilze gesammelt hätten. Selbst das Akademiemitglied Alexandrow, der Vater dieser Kraftwerke, hatte gesagt, daß man ein Atomkraftwerk auf dem Roten Platz an den Kremlmauern erbauen könne. Damals habe ich verstanden, daß die Menschheit prinzipiell darauf nicht vorbereitet war, niemand." (...)

taz: Literaturnobelpreis für Weißrussin

Deutschlandfunk: Swetlana Alexijewitsch: Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft