Pressemitteilung 13.09.10

Am 25. Juli 1969 explodierte in Lenzen bei einer Tiefbohrung ein Gas- Gasolin-Gemisch, der Bohrstellenleiter verstarb, sechs weitere Arbeiter erlitten schwere Verbrennungen. Nachdem sich die Bohrung durch auskristallisiertes Salz zugesetzt hatte, gelang es, das ausströmende Gemisch abzufackeln, bis in den November hinein brannte es… Vierzig Jahre liegt die Katastrophe von Rambow zurück, erst jetzt gelang es Dieter Schaarschmidt, Mitarbeiter der LINKEN im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) Gorleben, und der LINKEN Bundestagsabgeordneten Dorothé Menzner die Bohrakte E-Rambow 12/69 in Stralsund einzusehen. Das Ergebnis wurde im "General-Anzeiger" für das Wendland am Wochenende publiziert, es zeigt, Gorleben ist hochexplosiv.

Und: es war nicht die einzige Bohrung, die in ehemaligen DDR-Sperrgebiet an der Grenze bis über 3000 m Tiefe in den Salzstock Gorleben-Rambow niedergebracht wurde, auch die vorhergehende Bohrung 11/68 reichte so tief. Beide Bohrungen mussten wegen der unbeherrschbaren Bedingungen abgebrochen werden und konnten nicht richtig verfüllt werden. Insgesamt gab es 13 Tiefbohrungen zwischen 1954 und 1972 im Raum Lenzen im Bereich des Salzstocks Gorleben-Rambow.

Für Prof. Klaus Duphorn dokumentieren diese DDR-Aktenfunde, dass Gorleben als Endlagerstandort endgültig ausscheidet. "Wenn bereits in 3.300 m Tiefe im Salzstock größere Gas-Gasolin-Gemische anstanden, dann bedeutet dies für ein Atommülllager den Todesstoß", zitiert der "General-Anzeiger" den Kieler Geologen. Duphorn hat die Bohrprotokolle gesichtet und sieht belegt, "dass sowohl im geplanten Einlagerungshorizont zwischen 800 und 1.200 m Tiefe als auch im Bereich bis über 3.000 m Tiefe dicke, zerklüftete Anhydritschichten für eine Durchlässigkeit von Wasser und Lauge als auch Gasen und flüssigen Kohlenwasserstoffen sorgen können." Damit sei das geplante Endlager durch Gebirgsschlag gefährdet. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) ergänzt: "Der Salzstock von Gorleben ist nicht unverritzt, wie von Seiten des CDU- Obmanns im PUA Gorleben, Reinhard Grindel, behauptet wird. Schon in den 20er Jahren gab es im Raum Meetschow-Gorleben mehrere Tiefbohrungen direkt in den Salzstock hinein, weil Kalisalze abgebaut werden sollten. Der Kulturhistoriker Dr. Ulrich Reiff stieß bei seiner Recherche für eine Ausstellung zum Thema "Kali und Leinen" für das Museum Wustrow auf mehrere Tiefbohrungen, die nicht ordnungsgemäß verfüllt waren." BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: "Nun lasst es endlich gut sein mit Gorleben, jeder Cent, der dort weiter versenkt wird, ist ein Cent zu viel." Am kommenden Donnerstag werden Mitglieder des PUA Gorleben gegen 10 Uhr in das sogenannte "Erkundungsbergwerk" einfahren. Ab 17 Uhr stellen sich die Obleute aller Fraktionen im Dannenberger Schützenhaus auf einer öffentlichen Veranstaltung der BI den Fragen der Öffentlichkeit.