Anti-Atom-Berlin


Es vergeht nahezu kein Monat, in dem nicht von Störfällen oder Unregelmäßigkeiten in den beiden Atomkraftwerken Doel und Tihange berichtet wird. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die beiden Atomreaktoren Doel 4 und Tihange 3 vorübergehend stillgelegt werden mussten, da es poröse gibt. Die Antwort des belgischen Atomkraftwerksbetreiber Electrabel S.A ist dabei immer die gleiche: Es geht von den sieben Schrottreaktoren keine Gefahr aus.

doel und tihange

Foto: Uwe Hiksch

Die belgische Regierung deckt den Weiterbetrieb dieser Uraltreaktoren und übernimmt damit die Verantwortung für die ständig steigende Gefahr eines Atomunfalls. In den Atomkraftwerken sind tausende von Rissen festgestellt worden. Dabei sind die größten Risse im AKW Doel bis zu 18 Zentimeter lang, im AKW Tihange bis zu 15,5 Zentimeter. Beide Atomkraftwerke sind völlig veraltet und in einem maroden Zustand. Es ist deshalb ein Skandal, dass weiterhin Atombrennstoff für diese Schrottreaktoren aus Deutschland aus der Brennelementefabrik in Lingen geliefert wird.

AKW Doel und Tihange

doel tihange protestIn Belgien werden noch immer in den AKWs Doel und Tihange in sieben Reaktorblöcken über 50 Prozent der Bruttostromerzeugung durch Atomkraft produziert. Betreiber der Atomkraftwerke ist Electrabel S.A., eine 100%ige-Tochtergesellschaft der Engie SA (ehemals GDF Suez).

Engie SA ist auch in Deutschland aktiv und erwirtschaftet einen Umsatz von 2,17 Mrd. Euro im Jahr. Der Hauptsitz von Engie Deutschland AG ist in der Friedrichstraße 200 in Berlin. Über die Vertriebsgesellschaft Energie SaarLorLux in Saarbrücken, an der Engie SA mehrheitlich beteiligt ist, werden über 160 000 Privat- und Gewerbekunden mit Strom, Gas und Wärme versorgt. Engie SA ist auch in Gera und Wuppertal an den Stadtwerke beteiligt.In Berlin ist Engie SA an der Berliner GASAG mit 31,6% beteiligt.

Bereits 2003 hatte die belgische Regierung entschieden aus der unverantwortlichen Atomenergienutzung auszusteigen. Seitdem ist jedoch nichts passiert. Vielmehr wurde durch durch die Regierung in Belgien beschlossen, die Nutzung der atomaren Schrottreaktoren bis zum Jahr 2025 zu verlängern.

figur

Atomare Abschreckung ohne Ende oder Ende des atomaren Schreckens? Mahnwache zum Beginn der zweiten Verhandlungsrunde zur Ächtung der Atomwaffen bei den Vereinten Nationen.

Um auf die meist unbekannten Vertragsverhandlungen aufmerksam zu machen und darauf, dass Deutschland sich nicht beteiligt, hielt eine Person mit verbundenen Augen ein Plakat mit Infos vor sich.

Gruppenmitglieder standen bei Fragen zur Verfügung und hielten Infomaterial von ICAN und IALANA zur Verteilung parat.

Die Resonanz war sehr gut - gerade auch bei jungen Beobachtern.

 


Infos zu den Inhalten:
Argumente für die Ächtung

Statue

Vom 5. bis zum 13. Mai nahmen Tausende von Menschen weltweit an der Aktionswoche für die globale Divestment Mobilisation 2017 teil. In dieser Woche sollte auf die verheerenden Folgen für das Klima hingewiesen werden, die erzeugt werden von Institutionen, die weiterhin in die fossilen Energien-Industrien investieren. Die Teilnehmer*Innen riefen Städte, Banken, Universitäten und andere Institutionen dazu auf, sofort ihre Verbindungen zum dreckigen fossilen Energie-Geld zu beenden und zu de-investieren: #DIVEST.

URAN-UTANRedebeitrag vom URAN-UTAN (AAP)

Zehn Jahre nach Fukushima: Rede vom URAN-UTAN gehalten auf der Demo am 06.03.2021
in Berlin

 

Wir gedenken heute mit Trauer, aber auch mit Wut, der Reaktorkatastrophe in Fukushima vor 10 Jahren.
Die Explosionen und Kernschmelze dreier Reaktorblöcke mit anschließender Verstrahlung von Luft, Land und vor allem Wasser in der Region nördlich von Tokio. Durch diese waren tausende Menschen gezwungen ihre Häuser fluchtartig zu verlassen. Es ist das Resultat einer Idee von Naturbeherrschung, wie sie auch in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft sichtbar wird. Dazu kommt, dass viele Leute für die Aufräumarbeiten verheizt wurden. Ihr Leben und ihre Gesundheit fanden dabei keinerlei Berücksichtigung.

Auch nach 10 Jahren ist die Situation im AKW Fukushima weit davon entfernt unter Kontrolle zu sein: Es gibt zwar Ideen, wie die geschmolzenen Reaktorkerne geborgen werden sollen, jedoch scheiterten bisher alle konkreten Versuche. So wird das Grundwasser rund um die Reaktoren mit hohem technischen aufwand in Tanks aufgefangen, da es stark radioaktiv belastet ist. Jetzt stehen mehr als 1000 riesige Tanks auf dem Gelände. Und da dafür nun kein Platz mehr ist, soll das mit Tritium verstrahlte Wasser in den sowieso schon am stärksten vom Fallout belasteten Pazifik abgelassen werden. Absurd! In der Region Fukushima werden bei Messungen immer wieder Hotspots mit hoher Strahlenbelastung gefunden und obendrauf sollen die olympischen Sommerspiele dieses Jahr auch in der Region Fukushima stattfinden - Hä?!

Auch hierzulande passiert viel Mist. Nicht nur das der sogenannte Atomausstieg einen Weiterbetrieb von AKW in Deutschland bis 2022 sicherstellt, ist Mist. Zusätzlich bekommen diejenigen, die uns ungefragt mit Atommüll versorgen und daran schon sehr gut verdienen, auch noch Milliarden von der Regierung als Entschädigung in den Rachen geworfen.

Der japanische Energiekonzern Tepco ist nach der Reaktorkatastrophe verstaatlicht worden. Wie soll eine Aktiengesellschaft auch diese Kosten tragen? Mit einem Reaktorunfall lässt sich auch kein Gewinn mehr machen und den Aktionär*innen können keine Dividenden mehr ausgeschüttet werden.

Im Umgang mit Atomtechnologie lässt sich ein Prinzip der Privatisierung von Gewinnen und der Vergesellschaftung von Verlusten und Altlasten beobachten, was den real existierenden Kapitalismus kennzeichnet.

Solange alles gut läuft, sind die Stromversorgung und auch die daraus resultierenden Gewinne die Sache privater Unternehmen. Geht etwas schief, sind die Verantwortlichen schwuppdiwupp raus aus der Sache und der Staat springt ein. Das ist bei den Folgen vom Kohlabbau genau so. Oder beim deutschen Uranabbaugebiet - Wismut. Und den von den Atomkonzernen produzierte Atommüll hat die Menschheit auch Millionen Jahre am Hacken. Die Kosten dafür sind nicht zu beziffern.

Die Atomkonzerne - RWE, EON, Vattenfall und wie sie alle heißen, wollen sich aber jetzt gerne einen grünen Anstrich geben. Sie taufen sich um - spalten sich ab - und täuschen Nachhaltigkeit vor.

Atom als Klimaretter ??

Aber wir wissen nicht erst seit dem GAU in Fukushima, dass Atomkraft scheiße ist. Es ist ein Auch nach 10 JahrenUrananreicherungsanlage in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen. Aber eine atomkritische Öffentlichkeit ist auch das Ergebnis des langen Kampfes gegen Atomkraft, auf der Straße, auf den Schienen, aber eben auch durch Gutachten und Studien kritischer Wissenschaftler*innen.

Wir denken aber, dass wir um diese atomkritische Positionierung der Öffentlichkeit in Zukunft stärker kämpfen müssen. Denn die Atomkonzerne und ihre Lobyist*innen und UnterstützerInnen wollen die Debatte um den Klimawandel nutzen, um AKW als klimafreundlich und relativ emmissionsarm darzustellen. Wobei so Sachen wie der Uranabbau, die Transporte und die Lagerung regelmäßig ausgeblendet werden.

Für uns ist klar: Kohle ist der Klimakiller Nummer 1, der Kohleausstieg muss genauso kommen wie der Atomausstieg. Beide Technologien haben viele Gemeinsamkeiten. Die Kohlebagger in der Lausitz fressen die Landschaft und zerstören die Natur. Ganz ähnlich die Atomkraft. Der Uranabbau vergiftet Landschaften, in Australien, Namibia und anderswo.

Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen. Atomkraft ist keine Lösung der Klimakrise. Wir wollen den Systemwandel zur sozial-ökologischen Wirtschaft jenseits des Kapitalismus. Uns ging es nie einfach nur um die Stilllegung von Atomkraftwerken. Von Anfang an war unsere Kritik an Atomanalgen auch verbunden mit dem Traum von einer ganz anderen Gesellschaft - solidarisch, nachhaltig, schön halt... Dafür kämpfen wir.

Und für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit!

Am 1. Juni 1988 trat der im Dezember 1987 von US-Präsident Ronald Reagan und dem sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow unterzeichnete Vertrag über die „Intermediate-range Nuclear Forces“ (INF) in Kraft. Beide Seiten verpflichteten sich zur Vernichtung ihrer atomaren Mittelstreckenwaffen, womit die Bedrohung Europas und großer Teile Russlands durch einen Atomkrieg abnahm.

Aktuell werfen sich die USA und Russland gegenseitig vor, durch neu entwickelte Waffen gegen den INF-Vertrag zu verstoßen. Anfang Februar 2019 kündigte US-Präsident Donald Trump den Vertrag. Der russische Präsident Wladimir Putin setzte ihn daraufhin ebenfalls aus. Nach der sechsmonatigen Kündigungsfrist droht dem INF-Vertrag im August 2019 die endgültige Auflösung: Es könnte zu einem kostspieligen Wettrüsten kommen. Die Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen in Europa wäre möglich.

 

Am Samstag, dem 9. März 2019, kamen ein paar Hundert Aktivist*innen vor dem Brandenburger Tor auf dem Pariser Platz um 12 Uhr anlässlich des Jahrestages der Katastrophe im Atomkraftwerk im japanischen Fukushima zusammen, um mit den japanischen Aktiven in Berlin an die unverantwortliche Atomkatastrophe vor 8 Jahren zu erinnern, und gleichzeitig deutlich zu machen, dass die Kernenergie weiterhin eine große Gefahr für die Menschheit darstellt.

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Bildquelle: blog.greenpeace-energy.de

 

Fukushima mahnt: Atomausstieg weltweit!

Ab 12 Uhr Auftaktkundgebung am Brandenburger Tor

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Nach einem starken Erdbeben und einem dadurch ausgelösten Tsunami am 11. März 2011 folgte eine der schwersten Katastrophenserien in einem Atomkraftwerk weltweit.
Die Atomkatastrophe von Fukushima zeigte überdeutlich, dass auch hochindustrialisierte Staaten einen sicheren Betrieb von Atomkraftwerken nicht beherrschen können. Solange Atomkraftwerke auf der Welt betrieben werden, kann sich eine solche Atomkatastrophe jederzeit wiederholen.


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